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Mercedes Benz 280 SE 3.5 V8 // man. 5-Gang // Rallye-Fahrzeug

 

Ihn in allen Details zu beschreiben, würde uns in tagelange Arbeit stürzen. Es fängt bei der LED-Motorraumbeleuchtung an, die die Nacht zum Tag macht, und hört bei den Verzurrösen für die Sandsäcke im Kofferraum auf, um auch bei tief verschneiter Passfahrt genügend Grip zu finden.

Daher beschränken wir uns auf die wesentlichen Eckdaten und sind uns gleichzeitig bewußt, den Leser schon damit informativ zu überfluten.

Dieses Automobil will vor allem verstanden werden.

Auswahl, Herkunft, Zielsetzung, Umsetzung und Resultat darf in diesem Fall nicht getrennt betrachtet werden, sonst verliert sich die Perlenschnur logischer Abfolgen, die das Gesamtergebnis selbsterklärend beleuchten.

Die Idee dahinter:

Teilnahme an historisch anspruchsvollen Rallyes, die über mehrere Tage, oftmals mehrere tausend km, oftmals auch unter winterlichen Bedingungen, und darüber hinaus auch durch mehrere europäische Länder stattfinden.  Auf diese Idee hatten keine blutigen Anfänger, sondern zwei durchaus erfahrene, ambitionierte Teilnehmer solcher Veranstaltungen. Der große Unterschied zur bisherigen Wahl geeigneter Fahrzeuge – die Erkenntnisse vergangener Jahre und zahlreicher Teilnahmen sollten gebündelt in ein Fahrzeug fließen, das möglichst universell für alle Eventualitäten gerüstet ist und dabei maximale Zuverlässigkeit verspricht.  Strikte Konsequenz und Objektivität in der „Materialwahl“ erlaubt dabei keine persönlichen Vorlieben für schnittige Coupés oder Cabriolets, sondern folgt allein dem Ziel. Beste bisherige Erfahrungen mit dem Grundmodell W108 von Mercedes-Benz, der unter Kennern als „ne Bank“ gilt, legen die Entscheidung für diesen Typ nahe.

Erste Wahl: 280 SE 3.5 mit Schaltgetriebe. Nicht den erstbesten, nicht irgendeinen. Vor allem aber – nicht so eben mal an jeder Ecke zu finden.

Ab hier fängt der eigentliche Versuch einer Fahrzeug-Beschreibung an….

Basisfahrzeug: Aus Portugal stammender 280 SE 3.5 V8. An dem Fahrzeug wurde bisher noch kein Karosserieteil nachlackiert oder ausgetauscht. Er befand – und befindet – sich in vollkommen originalem Bestzustand/Erstlack, rostfrei, ungeschweißt.

Der ursprünglich samtige, „kleine“ Alu-V8-Motor wurde erheblich leistungsgesteigert durch klassische Maßnahmen wie Nockenwellen mit geänderten Steuerzeiten, Edelstahl-Fächerkrümmer 2-flutig in gemeinsamen Endtopf mündend (allein dieses Gebilde ist ein handgefertigtes Kunstwerk für Augen UND Ohren), frei programmierbare, modifizierte Einspritzanlage und einige weitere Arbeiten der AMG-Performance Center- Leute in Augsburg. Das Fahrwerk wurde durch straffe Stabis, BILSTEIN-Dämpfer und dezente Höherlegung dem Anspruch eines funktionellen, historischen Rallye-Fahrzeuges mit ernsthaften Ambitionen auf vordere Plätze angepasst. Das GETRAG – 5-Gang-Getriebe mit perfekter Übersetzung wurde an die neue Umgebung i.V. m. gekürzter, gewuchteter Kardanwelle gegen das originale, noch vorhandene 4-Gang-Schaltgetriebe ausgetauscht.

Hinsichtlich des Piloten-Komforts wurde auf eine perfekte Sitzposition durch 2 RECARO – SLS-Sitze mit zeitgenössischem Leder/Stoff Karo-Bezug (wie die ehemaligen Prototypen der 50er u. 60er – Jahre) Wert gelegt, in denen man auch Langstrecken-Etappen mühelos übersteht. Ebenso wurde der große Tank des 6.3 liter SEL mit enormen 105 Liter Inhalt installiert, um sorgenfreie 600-800 km ohne Unterbrechung weit zu fahren. Die ab werk installierte, komplett revidierte und neu befüllte  Original-Klimaanlage sorgt sowohl für den kühlen Kopf der Piloten als auch für den gekühlten Getränke-Vorrat, der kurvenfest in dafür vorgesehenen Flaschenhaltern der Box steht. Diese Multi-Box ist natürlich in Griffweite anstatt der üblichen Rücksitz-Bank. Darin findet man auch das umfangreiche Bordwerkzeug, Ersatz-Keilriemen, Wischer-Blätter bis hin zur koffeinhaltigen Schok-A-Kola Zartbitter-Box für die Fitness bei langen Nachtetappen. 6-Punkt-Gurte runden den Wohlfühl-Effekt perfekt ab. Die Reifengröße wuchs auf die einerseits erschwingliche, andererseits aber im Vergleich zur Serienbereifung deutlich effektivere Breite von 205/65 R15 V, die knapp für die erzielbare Vmax reichen sollte. Laut Tacho liegt diese bei rund 250 km/h, wofür weder Gefälle, noch Rückenwind nötig sind. Der installierte GPS-Wegstreckenzähler – einer von 3, wovon 2 mechanisch arbeiten – zeigt dabei echte 238 km/h an. (Zumindest für uns eine Grenzerfahrung in einem fast 50 Jahre alten Mercedes, zumal man dabei einhändig fahren und einen Kaffee trinken kann)

Die Servo-Lenkung wurde erneuert in Verbindung mit allen relevanten Achslagern, Streben, Stabis und Lenker der Vorder- und Hinterachse.

Die Beleuchtungs-Einrichtung an der Front und Heck ist für den Ernstfall gerüstet: In Summe liefern 600 Watt Licht in jede noch so dunkle Nacht-Etappe, die durch entsprechende Bestückung und Einstellung sowohl bündelnde, als auch breit fächernde Streuung auf die Straße liefert.

Die Meß-Einrichtungen der Wegstrecken-Zählwerke sind sowohl auf Getriebe, als auch auf Reifen-Umdrehung eingerichtet, um sich auch gegenseitig zu überwachen (Stichwort: Luftdruck/Schlupf/Drehzahldifferenz zw. Vorder-und Hinterachse/Innen-Außenspur). Das eingangs erwähnte GPS- Zählwerk wurde wiederum zur Überwachung der beiden mechanischen Laufwerke installiert, aber darüber hinaus auch um weitere Funktionen wie die echte Geschwindigkeit und Durchschnitts-Geschwindigkeit anzuzeigen.

Unzählige weitere Vorrichtungen von Ösen für die Sandsäcke, Kanister, Ersatz-Räder usw. bis hin zum fest installierten hydraulischen Wagenheber zeigen eine klare Handschrift – nichts wurde beim Aufbau dem Zufall überlassen. Jedes Detail ist bis ins Kleinste durchdacht und so funktionell integriert, daß man unweigerlich die Größe des Fahrzeugs selbst plötzlich selbsterklärend begreift: diese Dimensionen sind nötig, um eben alle genannten Einrichtungen so zu integrieren, daß sie trotz ständiger Benutzung immer wieder automatisch ihren vorgesehenen Platz einnehmen, ohne dabei Unordnung und damit vorprogrammiertes Chaos im Innenraum zu schaffen.

Trotz all dieser Modifikationen – Am Ende jedoch ist und bleibt es immer noch ein „Benz“.

Dieses wohltuende Gefühl vermittelt keine uns bekannte, weitere Limousine aus dieser Zeit. Reinsetzen, losfahren, 1000 km später mit der Frage „war´s das?“ aussteigen. Das geht im Benz. Und unserer Meinung nach nur in einem „Benz“.

Wollen Sie ernsthaft und ambitioniert historische Rallyes fahren? Mit diesem „Fahr-Instrument“ können Sie sich getrost auf Ihr eigenes Talent und das harmonische Zusammenspiel mit dem Co-Piloten konzentrieren. Besser noch, Sie trainieren und verbessern diese wesentlichen Erfolgs-Parameter, denn auf eines können Sie sich verlassen: Ihren „Benz“. Die vielzitierte eierlegende Wollmichsau trägt in diesem Fall die Farbe weiß, stammt aus Untertürkheim, und meistert mit Ihnen jede Eventualität: Sommer? 35° im Schatten bei der Sommer-Monte? Herbst oder Winter? Nebel und Kälte des schottischen Hochmoors? Tagelanges Regenwetter in den Alpen? Im „Benz“ herrscht Ordnung, bestes Klima, warme Füße und immer kühler Kopf. Selbst auf den Rundstrecken von Salzburg, Hockenheim oder Stuttgarter Solitude fühlt er sich wohl und kann – beherzt gefahren – selbst Rennsportwagen vergangener Epochen das Leben zur Hölle machen…weil er konstant und unter allen denkbaren Bedingungen reibungslos funktioniert.

Das ist das eigentliche Erfolgsgeheimnis aller Meister dieser historischen Motorsport-Art – unbedingte Funktion unter allen Umständen.

 

An dieser Stelle nochmals vielen herzlichen Dank an den Vorbesitzer und Erbauer dieses Kraftwagens!

Das ist ein Meisterstück.

Beste Grüße

Ihr DLS – Team

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